Einkommensverteilung und Armutsrisiko
Seit 1999 führt das AFI-IPL in Zusammenarbeit mit dem ASTAT Erhebungen zur finanziellen Schieflage der Familien in Südtirol sowie über deren Realeinkommen (Einkünfte aus Arbeit, soziale Leistungen, Förderbeiträge, Einkommen aus Vermögen und Erbschaften) durch.
Obwohl Südtirol einen verbreiteten Wohlstand und gute Wirtschaftsdaten aufweist, ist die Sorge um wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die Angst vor sozialem Abstieg groß. Dank der genannten Erhebungen ist es möglich, statistische Daten über das Thema zu sammeln, das den Gewerkschaften und den Sozialverbänden bestens bekannt ist: jenes der Armut.
Der erste Teil dieses Abschnitts gibt Aufschluss über die Einkommensverteilung der SüdtirolerInnen, während der zweite Teil genauer auf die Verbreitung der Armut in unserem Land eingeht
Die Einkommensverteilung in Südtirol
Aus der Erhebung des AFI-IPL von 2003 geht hervor, dass in Südtirol die Einkommensverteilung eine assymetrische Kurve aufweist (siehe Grafik 1). Während auf der einen Seite eine Vielzahl von Familien den Alltag mit einem bescheidenen Einkommen meistern müssen, gibt es auf der anderen Seite wenige Familien mit relativ hohem Einkommen. Die folgende Grafik zeigt die Einkommensverteilung in zehn Einkommensklassen, draus geht hervor, dass die ärmsten 10 % der Familien über ein Jahreseinkommen von nur 9.100 € verfügen (monatlich 758 €), wohingegen die wohlhabendsten 10% ein Jahreseinkommen von 55.000 € erzielen (monatlich 4.628 €). Diese Detaildaten relativieren die Durchschnittsdaten der Gesamtbevölkerung (29.884 € Jahreseinkommen pro Familie).
Grafik 1. Zum Vergrößern auf Bild klicken
Armutsrisiko
Das Konzept von absoluter wie auch relativer Armut wird prinzipiell an ökonomischen und sozialen Aspekten gemessen, womit man das Phänomen des sozialen Abstiegs beleuchten kann.
Absolute Armut
Von absoluter Armut spricht man, wenn eine Person oder eine Familie sich mit ihrem Einkommen nicht die Güter leisten kann, die für das Überleben notwendig sind. Was sich eine Person oder Familie mit einem Einkommen leisten kann, hängt von den wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen ab, in der sie lebt. Das Mindesteinkommen, ab der man von absoluter Armut sprechen kann, ist also je nach geografischer Lage und Situation unterschiedlich, z. B. ob man Untersuchungen in Industrie- oder Entwicklungsländern durchführt, aber auch in entwickelten Gebieten gibt es große regionale Unterschiede, wie etwa zwischen den ost- und westeuropäischen Ländern.
Relative Armut
Von relativer Armut spricht man, wenn eine Person oder eine Familie mit ihrem Einkommen unter dem Durchschnittseinkommen ihrer Umgebung liegt. Allerdings ist Armut ein Phänomen, das man auch mit spezifischen Untersuchungen nicht präzise beleuchten kann, auch weil das Armutsrisiko derzeit zunimmt. Als Richtwert dafür wird ein Einkommen bezeichnet, das 60 % des Durchschnitts erreicht. Eine Einkommenslage unter dieser Grenze, sofern es sich nicht um absolute Armut handelt, kann als relative Armut bezeichnet werden.
Lokale Daten über die Armut
Im Jahr 1999 verzeichnete man in Südtirol ein Ausmaß der relativen Armut von 14,1 %. Dieser Wert ist im Jahr 2003 auf 14,9 % gestiegen, d. h. es sind über 27.000 Familien betroffen. Für eine Familie, bestehend aus zwei Personen, befindet sich die Schwelle der relativen Armut bei 12.929 €, also bei einem Monatseinkommen von 1.077 €. Betroffen sind besonders Familien, in denen nur eine Person einen Unterhalt erwirtschaftet, Familien mit mehr als einem Kind und einem alleinerziehenden Elternteil sowie RentnerInnen, von denen viele mit sehr wenig Geld auskommen müssen.