Vorschau AFI-Barometer
Passt das aktuelle Wochenarbeitspensum? Dieser Frage ging das Arbeitsförderungsinstitut im Sonderteil des aktuellen AFI-Barometers nach. Für 66% der Befragten passt das derzeitige Arbeitspensum. Eine Verkürzung der Arbeitszeit wünschen sich 30% der Befragten, 4% würden ihre Wochenarbeitszeit gerne ausweiten. Auffällig ist, dass viele der angewandten Arbeitszeitmodelle weiterhin stark reglementiert sind. „Hier sehen wir keine signifikanten Veränderungen gegenüber dem Bild, das wir kurz vor der Corona-Pandemie aufgenommen haben“, stellt AFI-Direktor Stefan Perini fest.
Im Sonderteil der Winterausgabe 25/26 des AFI-Barometers ging das AFI | Arbeitsförderungsinstitut der Frage nach, welche Arbeitszeitmodelle Südtiroler Arbeitgeber anwenden, wie viele Stunden Arbeitnehmer:innen tatsächlich pro Woche arbeiten und ob sie sich – unter Berücksichtigung entsprechender Lohnanpassungen – eine längere oder kürzere Arbeitswoche wünschen.
Vollzeitarbeitende für Verkürzung, Teilzeitarbeitende für Ausdehnung
„Südtirols Arbeitnehmer:innen arbeiten im Schnitt 40 Stunden pro Woche – 37 Stunden wären es, könnten sie selbst und frei darüber entscheiden“, fasst AFI-Direktor Stefan Perini zusammen. Dieser Durchschnittswert ergibt sich aus gegenläufigen Wünschen: Vollzeitarbeitende arbeiten im Schnitt 44 Stunden und würden gerne auf 40 reduzieren, Teilzeitarbeitende würden hingegen die effektiv geleisteten 27 Stunden auf gewünschte 28 bringen.
Berücksichtigt man nur die numerisch wichtigeren Vollzeitverhältnisse, zieht sich der Wunsch nach einer Arbeitszeitverkürzung quer durch alle Wirtschaftsbereiche sowie durch beide Geschlechter und alle Altersgruppen. „Der Wunsch nach einer kürzeren Arbeitswoche ist also deutlich wahrnehmbar“, so Perini. Gleichzeitig weist der AFI-Direktor auf einen Zielkonflikt hin: „In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Winter wird sich die Kluft zwischen Wunsch und arbeitsmarktpolitischer Realität weiter vergrößern.“
Für zwei Drittel passt die Wochenarbeitszeit
Mit ihrem aktuellen Wochenarbeitspensum sind zwei Drittel (66%) der Arbeitnehmer:innen zufrieden; 30% wünschen sich eine kürzere Arbeitszeit und 4% möchten mehr Stunden arbeiten. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wunsch bei jenen, die zwischen 35 und 44 Wochenstunden leisten: Fast jede:r Zweite (47%) aus dieser Gruppe würde die Arbeitszeit gerne reduzieren.
Nahezu spiegelbildlich stellt sich die Situation bei Teilzeitbeschäftigten dar. Zwar sind 84% grundsätzlich mit ihrem derzeitigen Arbeitspensum zufrieden, doch unter den Geringbeschäftigten (weniger als 25 Wochenstunden) wären sogar 39% bereit, ihre Arbeitszeit aufzustocken. Dieser Umstand deutet auf die Präsenz von unfreiwilliger Teilzeitarbeit hin und macht ein noch nicht ausgeschöpftes Arbeitskräftepotenzial sichtbar.
Fixe Arbeitszeitmuster dominieren weiterhin
Südtirols Arbeitgeber setzen nach wie vor stark auf fixe Arbeitszeitmodelle: In 38% der Fälle wird die Arbeitszeit starr vorgegeben. 24% der Arbeitnehmer:innen können zwischen mehreren vorgegebenen Arbeitszeitplänen wählen. Eine Kombination aus Gleit- und Kernzeit nutzen 30% der Befragten. Nur 8% können ihre Arbeitszeit völlig individuell gestalten.
Zwischen den einzelnen Branchen zeigen sich zwar unterschiedliche Ausformungen, die grobe Verteilung der Arbeitszeitmodelle bleibt jedoch ähnlich. Eine Auffälligkeit: Bei Teilzeitbeschäftigten nehmen flexiblere Arbeitszeitmuster tendenziell zu.
Stellungnahme AFI-Präsident Stefano Mellarini
„Dass zwei Drittel der lohnabhängig Beschäftigten mit ihrer Wochenarbeitszeit zufrieden sind, ist ein positives Signal. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung klar erkennbar – insbesondere bei jenen, die ein sehr hohes Wochenarbeitspensum leisten. Überraschend ist vor allem die nach wie vor starke Präsenz rigider Arbeitszeitmodelle. In den vergangenen fünf Jahren haben kaum jene Flexibilisierungsschritte stattgefunden, die sich nachweislich positiv auf die Work-Life-Balance der Arbeitnehmer:innen auswirken würden.“
Nähere Informationen erteilt AFI-Direktor Stefan Perini (T. 0471 41 88 30, M. 349 833 40 65, ).
Das AFI-Barometer wird viermal im Jahr (Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter) erhoben und gibt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wieder. Die Erhebung erfolgt mittels telefonischer Befragung von 500 Südtiroler Arbeitnehmer:innen und ist repräsentativ für Südtirol.
Das neue Stimmungsbild des AFI-Barometers (Winterausgabe 25/26) wird im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag, 22. Jänner 2026 um 10:00 Uhr im Palais Widmann in Anwesenheit von Arbeits-Landesrätin Magdalena Amhof vorgestellt.