Vatertag

Pünktlich zum Vatertag präsentiert das AFI – mittlerweile zum zwölften Mal – die neuesten Daten zum Vaterschaftsurlaub und zur Elternzeit. Immer mehr Väter wollen ihre familiäre Rolle engagiert wahrnehmen. Dennoch zeigen die Zahlen: Es gibt weiterhin Hürden – vor allem finanzieller Natur –, die sich nicht wegdiskutieren lassen. „Europäische Erfolgsmodelle zeigen uns klar, worauf es ankommt: großzügige, exklusiv für Väter reservierte Elternzeit-Kontingente, ein hoher Lohnausgleich und maximale Flexibilität bei der Inanspruchnahme – ergänzt um einen Kulturwandel in den Unternehmen“, bringt es AFI-Direktor Stefan Perini auf den Punkt.

Wenn Väter flexibler arbeiten und sich stärker in der Familie einbringen können, rückt das Ziel der echten Gleichberechtigung näher. Voraussetzung dafür sind jedoch ein Umdenken und spürbare finanzielle Unterstützungen. „Aktuelle Studien belegen: Mütter würden gerne mehr arbeiten, Väter hingegen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Beide Seiten würden also von einer Entwicklung in dieser Richtung profitieren – mit dem Ergebnis einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft“, unterstreicht Christa Ladurner, Soziologin beim Forum Prävention und Sprecherin der Allianz für Familie.

Trentino-Südtirol: Über 4.700 Väter im obligatorischen Vaterschaftsurlaub

Im Jahr 2024 nahmen exakt 4.703 lohnabhängig beschäftigte Väter im Privatsektor mit Wohnsitz in der Region Trentino-Südtirol den obligatorischen Vaterschaftsurlaub in Anspruch (aufgeschlüsselte Daten auf Landesebene liegen leider nicht vor). In absoluten Zahlen bedeutet dies einen leichten Rückgang gegenüber den Vorjahren: 2022 wurden noch 4.979 Väter gezählt, 2023 waren es 4.897. Dieser Knick dürfte jedoch in erster Linie auf den allgemeinen Geburtenrückgang im Jahr 2024 im Vergleich zum vorangegangenen Biennium zurückzuführen sein.

Aufwärtstrend bei der Elternzeit der Väter

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Väter, die in der Region in Elternzeit gehen, kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2021 und 2024 kletterte der Männeranteil unter den Beziehern von knapp 24% auf über 38%. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch die Dauer: Die Auszeiten der Väter sind nach wie vor deutlich kürzer als die der Mütter. Während Frauen derzeit durchschnittlich 72 Tage Elternzeit in Anspruch nehmen, begnügen sich Männer mit rund 28 Tagen. Der spürbare Anstieg der Anträge in den letzten zwei Jahren ist höchstwahrscheinlich dem höheren Lohnausgleich (80%) zu verdanken, der mit den Haushaltsgesetzen 2023 und 2024 eingeführt wurde.

Landesfamiliengeld+: Anträge nehmen zu

Das Landesfamiliengeld+ ist eine gezielte finanzielle Unterstützung für Familien, in denen lohnabhängige Väter im Südtiroler Privatsektor in den ersten 18 Lebensmonaten des Kindes für mindestens zwei zusammenhängende Monate in Elternzeit gehen. Im Jahr 2025 nutzten 102 Väter dieses Angebot – ein klarer Anstieg gegenüber den 76 Vätern im Jahr zuvor. Die ausbezahlten Beträge beliefen sich in 65 Fällen auf 800 € und in 37 Fällen auf 1.200 €. Gemessen an den rund 4.500 Neugeborenen, die in Südtirol jährlich zur Welt kommen, bewegen sich diese Prozentsätze allerdings weiterhin auf einem sehr bescheidenen Niveau.

Blick nach Europa: Von Erfolgsgeschichten lernen

Wie lässt sich diese Situation verbessern? Ein Blick auf erfolgreiche Modelle im europäischen Ausland liefert Antworten.

Als absolute Vorreiter gelten seit langem die nordischen Länder wie Norwegen, Schweden und Island. Das Erfolgsrezept: Neben einem großzügigen Lohnausgleich (meist 80% oder mehr) greift hier das „Use it or lose it“-Prinzip. Da die exklusiv für den Vater reservierten Monate nicht auf die Mutter übertragen werden können, nehmen Männer den Urlaub tatsächlich in Anspruch – andernfalls würde die Auszeit für die Familie schlichtweg verfallen.

Doch auch ein Blick in südlichere Gefilde, etwa nach Spanien, lohnt sich. Auf der iberischen Halbinsel haben Väter im ersten Lebensjahr des Kindes Anspruch auf 19 Wochen Vaterschaftsurlaub (davon 6 Wochen verpflichtend nach der Geburt). Der entscheidende Faktor dabei: Es gibt einen 100-prozentigen Lohnausgleich. Das Ergebnis? Im Jahr 2025 beantragten in Spanien sogar mehr Männer als Frauen diese Auszeit, und die durchschnittliche Dauer der Betreuungszeit ist bei beiden Elternteilen nahezu identisch.

 

Statement von AFI-Präsident Stefano Mellarini

Sowohl als Gewerkschafter als auch als Vater wünsche ich mir, dass Männer ihre Rolle in der Familie voll und ganz ausfüllen können – und zwar ohne berufliche Nachteile fürchten zu müssen. Eine fair aufgeteilte Elternzeit ist ein zentraler Hebel: Sie fördert die Gleichstellung, unterstützt die berufliche Entwicklung von Frauen und wertet die Familie als Ganzes auf. Gerade angesichts des Geburtenrückgangs stehen wir hier vor einer massiven Herausforderung für unsere Zukunft. Was wir jetzt brauchen, sind eine gelebte, inklusive Unternehmenskultur und mutige politische Weichenstellungen, die allen Eltern Flexibilität, echte Anreize und Chancengleichheit garantieren.

Statement der Landesrätin für Familie Rosmarie Pamer

Wenn Väter von Anfang an Zeit für ihre Kinder haben, stärkt das nicht nur die Familien, sondern wirkt sich auch positiv auf unsere Arbeitswelt und unsere Gesellschaft insgesamt aus. Eine frühe und aktive Rolle von Vätern fördert eine partnerschaftliche Aufteilung von Verantwortung und ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Gleichstellung. Gleichstellung gelingt dort, wo Fürsorgearbeit nicht als Aufgabe einzelner gesehen wird, sondern als gemeinsame Verantwortung von Eltern, Arbeitswelt und Gesellschaft. Noch nutzen viele Väter die bestehenden Möglichkeiten jedoch zu wenig. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, darauf aufmerksam zu machen und Väter zu ermutigen, diese Zeit bewusst zu nutzen.

Statement des Leiters der Caritas-Männerberatung, Guido Osthoff

Als Caritas Männerberatung helfen wir vielen Männern den vielfältigen Herausforderungen des Vaterseins gerecht zu werden. Immer wieder erleben wir dabei, dass Männer mehr Zeit mit und für ihre Kinder verbringen wollen, aber dafür auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

Pressemitteilung

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