Vorschau AFI-Barometer

Parallel zur Ausweitung des Angebots steigt auch der Anteil der Personen, die sonntags einkaufen gehen, leicht an. Dennoch sprechen sich nach wie 6 von 10 Südtiroler Arbeitnehmer:innen grundsätzlich gegen die Öffnung von Geschäften am Sonntag aus. Noch deutlicher zeigt sich: Die Bereitschaft, selbst sonntags zu arbeiten, ist rückläufig. „Noch stärker als vor zehn Jahren verbinden lohnabhängig Beschäftigte den freien Sonntag mit Familie und Lebensqualität“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini.

Offene Geschäfte am Sonntag – ja oder nein? Diese Frage spaltet die Südtiroler Gesellschaft nach wie vor. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nehmen dabei eine doppelte Rolle ein: einerseits als Konsument:innen, andererseits als Beschäftigte. Wie sie zur Sonntagsöffnung stehen, zeigt eine Umfrage im Sonderteil des aktuellen AFI-Barometers. Bereits im Sommer 2014 und im Sommer 2016 – also vor 12 beziehungsweise 10 Jahren – hatte das AFI dieselben Fragen gestellt. Dadurch sind aussagekräftige Zeitvergleiche möglich.

6 von 10 Arbeitnehmer:innen gegen die Sonntagsöffnung

Exakt 61% der Südtiroler Arbeitnehmer:innen sprechen sich grundsätzlich gegen die Öffnung der Geschäfte am Sonntag aus. 19% zeigen sich gleichgültig, 20% befürworten sie. Vor 10 Jahren war die Verteilung mit 66% / 18% / 16% sehr ähnlich.

Wer gegen die Sonntagsöffnung ist, kauft auch nicht ein

Auf die Frage, ob sie als Konsumenten selbst sonntags einkaufen gehen, antworten 47% der Arbeitnehmer:innen, dass sie dies nicht tun würden. 26% kaufen selten, 17% manchmal und 10% häufig sonntags ein. Beim Einkaufsverhalten zeigt sich allerdings in den vergangenen zehn Jahren eine erkennbare Verschiebung hin zum Sonntagseinkauf (2016: 48% / 30% / 17% / 6%).

Ins Auge sticht zunächst die hohe Kohärenz im Verhalten der Südtiroler Arbeitnehmenden. „Wer gegen die Sonntagsöffnung ist, kauft an diesem Tag auch nicht ein. Das war bereits vor 10 beziehungsweise 12 Jahren so und gilt bis heute“, betont AFI-Direktor Stefan Perini.

Der freie Sonntag ist Lebensqualität

Nach wie vor stark ausgeprägt ist das Bewusstsein, dass regelmäßige Sonntagsarbeit das Familien- und Privatleben und damit die Lebensqualität beeinträchtigt. 41% verbinden die Sonntagsarbeit mit einer „großen“ Belastung, weitere 20% als „eher großen“ Belastung. Lediglich 20% stufen die Belastung als „gering“ ein, 13% als „irrelevant“.

Zudem: Wer heute schon regelmäßig am Sonntag arbeitet, ist gewissermaßen an diese Situation gewöhnt und empfindet sie daher als weniger belastend. Beschäftigte hingegen, die derzeit noch nicht sonntags arbeiten, sehen darin eine potentiell erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. „Diese unterschiedliche Wahrnehmung ist eine der spannendsten Erkenntnisse unserer Umfrage“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini.

Der normative Hintergrund

Im Dezember 2011 beschloss die Regierung Monti mit dem Dekret „Salva Italia“ die vollständige Liberalisierung der Öffnungszeiten im Einzelhandel. In der Folge versuchte das Land Südtirol, im Rahmen seiner Zuständigkeiten durch eine Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen auf ein vertretbares Maß zu begrenzen. Das entsprechende Landesgesetz wurde jedoch vor dem Verfassungsgericht angefochten und schließlich für verfassungswidrig erklärt. Die in diesen Wochen verabschiedete Reform des Autonomiestatuts eröffnet nun erneut Handlungsspielräume, die ausgelotet werden könnten.

Stellungnahme von AFI-Präsident Stefano Mellarini

 „Die Sonntagsöffnung ist für essenzielle Dienstleistungen, in Tourismusgemeinden oder begrenzt auf bestimmte Zeiten des Jahres sinnvoll. Sonntagsarbeit im Handel sollte jedoch die Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden. Lebensqualität und zwischenmenschliche Beziehungen sind ein hohes Gut. Es ist unser Auftrag, die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ernst zu nehmen und sie sowohl über die Landesgesetzgebung als auch auf kollektivvertraglicher Ebene abzusichern“.

Pressemitteilung

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