EWCS 2025

39,9 Stunden pro Woche: So viel arbeitet in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino im Schnitt eine Vollzeitkraft. In Südtirol (40,6) sind es mehr als im Bundesland Tirol (40,5) bzw. im Trentino (38,9). Besonders lange Arbeitswochen haben Vollzeitbeschäftigte in der Hotellerie und Gastronomie (im Euregio-Schnitt 43,4 Stunden), im Baugewerbe (42,0) und im Handel (41,0). „Zudem ist die 5-Tage-Woche in vielen Branchen noch lange nicht Standard – vor allem nicht in den stark saisonal geprägten Branchen“, unterstreicht AFI-Direktor Stefan Perini und verweist dabei auf den Fachkräftemangel sowie die Notwendigkeit, die Attraktivität der Arbeitsplätze zu erhöhen. Wichtig ist auch: Der Wunsch nach einer kürzeren Arbeitswoche zieht sich bei Vollzeitarbeitenden durch alle Branchen und Berufsgruppen, während Teilzeitkräfte häufiger ihre Arbeitszeit aufstocken möchten.

Um einen fundierten Einblick in die Arbeitsbedingungen in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino zu erhalten, haben Arbeiterkammer Tirol, Agenzia del Lavoro Trento und AFI | Arbeitsförderungsinstitut von Juni 2025 bis Februar 2026 insgesamt 2.250 Erwerbstätige befragen lassen. Am Montag vergangener Woche wurde der erste Ergebnisblock am Sitz der Arbeiterkammer Tirol in Innsbruck anlässlich eines Seminars vorgestellt. Im Mittelpunkt standen das Ausmaß der Arbeitswoche, Überstunden, Nachtarbeit, Pendelzeiten sowie die Frage, wie lange man arbeiten würde, wenn man dies frei bestimmen könnte.

Drei Branchen mit hohem Arbeitsausmaß

Die Branche Hotellerie und Gastronomie liegt bei den geleisteten Wochenstunden an erster Stelle. Eine Vollzeitkraft kommt dort im Schnitt in der Euregio auf 43,4 Stunden pro Woche. Es folgen das Baugewerbe (42,0) und der Handel (41,0). Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist in Südtirol eine Arbeitswoche zwischen 35 und 40 Stunden für 43% der Beschäftigten Realität. In Tirol gilt dies für 40%, im Trentino für 61%. Fast jede vierte erwerbstätige Person in Südtirol (23%) arbeitet pro Woche mehr als 40 Stunden. In Tirol beträgt der Vergleichswert 22%, im Trentino 15%. Lange Arbeitswochen kommen in Südtirol also besonders häufig vor.

Die 5-Tage-Woche: für saisonale Branchen noch eine Illusion

Die 5-Tage-Woche ist in der Euregio für 62% der Erwerbstätigen Realität. Nicht überraschend weichen gerade stark saisonal geprägte Branchen (Gastgewerbe, Handel, Landwirtschaft) von diesem Standard überdurchschnittlich häufig ab: Die 7-Tage-Woche kommt eigentlich nur in der Landwirtschaft vor (33%), während Arbeitswochen mit 6 oder mehr Tagen auch in der Hotellerie und Gastronomie (47%), im Bereich Transport und Logistik sowie im Handel (jeweils 28%) verbreitet sind. Kürzere Arbeitswochen von 4 oder weniger Tagen gibt es wiederum in den saisonal geprägten Branchen Handel (25%) und Hotellerie und Gastronomie (19%) sowie in den stark weiblich geprägten Sektoren Gesundheits- und Sozialwesen (36%) und Bildung (21%).

Wunsch nach kürzerer Wochenarbeitszeit

Wie weit sind bei der Wochenarbeitszeit Wunsch und Wirklichkeit voneinander entfernt? Das aktuelle Wochenstundenausmaß halten in Südtirol 49% der Befragten für ideal, in Tirol 44%, im Trentino 64%. Gleichzeitig möchten in Südtirol 37% der Befragten weniger Stunden arbeiten, in Tirol 40%, im Trentino 29%. Der Wunsch nach einer Aufstockung der Arbeitszeit ist in allen drei Gebieten deutlich seltener: In Tirol möchten 16% ihre Arbeitszeit erhöhen, in Südtirol 15%, im Trentino 7%. AFI-Direktor Stefan Perini präzisiert: „Den befragten Personen war bei dieser Frage klar, dass sie bei einer kürzeren Arbeitszeit weiterhin ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Umso bemerkenswerter ist dieser weit verbreitete Wunsch nach einer Stundenreduktion.“

EWCS 2025 Interreg: Ein mehrjähriges Kooperationsprojekt

Wie sind die Arbeitsbedingungen im Bundesland Tirol, in Südtirol und im Trentino? Dieser Frage geht die Euregio-Studie zu den Arbeitsbedingungen nach. Nach dem Vorbild der alle fünf Jahre europaweit durchgeführten Erhebung der Arbeitsbedingungen von Eurofound (EWCS) haben die Euregio und ihre Partnerinstitute Arbeiterkammer Tirol, AFI | Arbeitsförderungsinstitut Südtirol und Agenzia del lavoro im Trentino eine umfassende Befragung mit 2.250 Interviews (750 pro Landesteil) durchgeführt. Das Projekt wird mit EU-Geldern aus dem Programm Interreg mitfinanziert. Die Ergebnisse werden in den nächsten Monaten nach und nach vorgestellt.

Pressemitteilung

Studie

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