AFI-Barometer
Die Debatte über ein längeres Erwerbsleben hat zuletzt durch Vorstöße der Südtiroler Wirtschaftsverbände neuen Auftrieb erhalten. Das AFI | Arbeitsförderungsinstitut richtet den Blick auf die entscheidende Vorfrage: Wie realistisch ist es für die derzeit Beschäftigten überhaupt, ihren aktuellen Beruf bis zum 65. Lebensjahr auszuüben? Die aktuelle Ausgabe des AFI-Barometers zeigt: Eine deutliche Mehrheit hält das grundsätzlich für möglich – allerdings nur unter passenden Rahmenbedingungen. „Neben finanziellen Anreizen sind Gesundheit und Arbeitsumfeld entscheidend. Wer ältere Beschäftigte im Betrieb halten will, muss mehr bieten als ein Standardgehalt“, betont AFI-Direktor Stefan Perini.
Das Arbeiten im fortgeschrittenen Erwerbsalter rückt angesichts des Fachkräftemangels zunehmend in den Fokus von Wirtschaft und Gesellschaft. In der Frühjahrsausgabe des AFI-Barometers wurden Südtirols Arbeitnehmer:innen deshalb gefragt, ob sie davon ausgehen, mit 65 Jahren noch denselben Beruf ausüben zu können wie heute – und welche Rahmenbedingungen einen Verbleib in der Arbeitswelt begünstigen würden.
Mehrheit sieht sich grundsätzlich arbeitsfähig – ein Drittel nicht
72% der Südtiroler Arbeitnehmer:innen können sich vorstellen, ihren derzeitigen Beruf bis mindestens 65 auszuüben. Rund 28% halten dies hingegen für unrealistisch – 22% für „eher unwahrscheinlich“, 6% für „sehr unwahrscheinlich“. Ausschlaggebend für einen vorzeitigen Ausstieg sind vor allem gesundheitliche Belastungen: 63% nennen psychischen Stress als Hauptgrund, 55% verweisen auf zu hohe körperliche Anforderungen.
Vier Faktoren machen den Unterschied
Welche Faktoren erhöhen die Bereitschaft, länger im Beruf zu bleiben? Die Befragten nennen ein Bündel aus harten und weichen Faktoren: 75% nennen eine angemessene Bezahlung („es muss sich lohnen“), 74% weniger Stress am Arbeitsplatz, 73% eine geringere körperliche Belastung, 72% ein gutes Arbeitsklima. Auffällig: Klassische arbeitszeitpolitische Maßnahmen wie Arbeitszeitverkürzung oder Flexibilisierung verlieren im Vergleich zur Erhebung vor fünf Jahren an Bedeutung.
Stellungnahme von AFI-Präsident Stefano Mellarini
„Angesichts des demografischen Wandels wird die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer:innen zur strategischen Schlüsselfrage. Die Daten zeigen eindeutig: Ob Menschen länger arbeiten, entscheidet sich nicht am Willen, sondern an den Arbeitsbedingungen. Unternehmen stehen in der Pflicht, Jobs gesundheitsgerecht zu gestalten, Belastungen spürbar zu reduzieren und echte Anreize zu schaffen – sonst bleibt ein enormes Arbeitskräftepotenzial ungenutzt.“
Nähere Informationen erteilt AFI-Direktor Stefan Perini (Tel. 0471 41 88 30, ). Die Ergebnisse sind auf der Homepage des Instituts www.afi-ipl.org veröffentlicht.
Das AFI-Barometer wird viermal im Jahr erhoben (Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter) und spiegelt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wider. Die Erhebung erfolgt mittels einer telefonischen Umfrage bei 500 Südtiroler Arbeitnehmer:innen und ist repräsentativ für Südtirol. Die nächsten Umfrageergebnisse werden im Juli 2026 vorgestellt